Die Eintrittskarte der Industrie zu Ärzte-Communities

„Wie kann die Industrie in Ärzte-Communities mitwirken?“ ist momentan die häufigste Frage in unseren Projekten und Vorträgen zum Healthcare Marketing. Im Rahmen zahlreicher Kampagnen haben wir bereits die Online-Interaktionsmöglichkeiten von Industrie und Ärzten analysiert, und obwohl sich die Möglichkeiten je nach Fachbereich und Produkt unterscheiden, ist doch ein klares Muster zu erkennen. Die folgende Infografik soll auf einen Blick das Muster aufzeigen, mit welchen Inhalten die Industrie auf welchen Online-Plattformen aktiv werden kann.

Bezüglich der drei Maßnahmenvarianten können wir übergreifend Folgendes festhalten:

  • Inhaltliche Beiträge sind oft die einzige Mitwirkungsmöglichkeit in einer seriösen Ärzte-Community. Studienbasierte Berichte und Sonderformen wie Reports haben die besten Chancen auf Resonanz zu stoßen.
  • Klassische Werbemittel wie Banner, Newsletter und gekaufte Beiträge sind nur selten möglich. Lediglich bei den Verlagen zählt die Bannerschaltung zum klassischen Businessmodell.
  • News und Eventberichte können bei allen Plattformen eingereicht werden. Eine Veröffentlichung bestimmt jedoch die Redaktion.

Fazit:
Was sich offline schon abgezeichnet hat wird online nun noch radikaler sichtbar. Die inhaltliche Qualität ist die einzige Möglichkeit, wie die Industrie an den Türstehern der Ärzte-Communities vorbei kommt. Zudem ändern sich Online die „Aussteller“. Während die Medtech- und Pharma-Industrie auf den Messen und Konferenzen einen wichtigen Anteil hat, findet der Austausch in Online-Communities fast ohne sie statt. Plattformen wie Colliquio haben eine „Physicians Only“ Philosophie und die Mitwirkung der Industrie wird klar reglementiert. Die einzige Eintrittskarte sind qualitative Informationen. Studien, Cases, Erfahrungsberichte und wissenschaftliche Meldungen und Meinungen.

Die Anforderungen an das Healthcare Marketing sind wieder eindeutig:

  • Wie werden die richtigen Plattformen gefunden und selektiert,
  • wie kann die medizinische Manpower im Marketing erhöht werden und
  • wie wird organisatorisch mit Interaktion umgegangen?

Und wie in so vielen Gesprächen und Projekten werden wir wieder beim Problem hängen bleiben, dass weder ein einziger Online-Marketer, noch die Produktmanager diese Aufgaben einfach neben ihrer bisherigen Arbeit bewerkstelligen können. Wir enden also wieder bei der Ressourcenfrage, die sich erst auflösen wird, wenn die Online-Kommunikation einen höheren Anteil am Marketingbudget erhalten wird. Bis dahin werden die Ärzte-Communities für die Industrie nur sporadisch nutzbar sein.

  1. Von > Göran van Ravesteijn
    am 14.12.10 um 14:25

    Interessant. Und wie funktioniert das mit „Company driven communities“?

  2. Von > Ralf Pfau
    am 14.12.10 um 17:01

    Hallo Göran,
    herzlichen Dank für die Frage. Ich sehe dieselben Prioritäten für Firmen-Communities wie für die „neutralen“ Communities. Natürlich kann jede Firma frei entscheiden, welche Inhalte sie auf ihren Communities platziert, doch wie viele Besucher sie damit anlocken kann bleibt zu hinterfragen. Die Verlagsportale können etwas werblicher sein, weil sie auf eine bestehende Leserschaft aus dem Print-Bereich aufbauen können und die Fachgesellschaften leben durch ihre Mitglieder. Unternehmens-Communities müssen sich jedoch mit den gängigen Ärzteportalen messen lassen, die extremen Wert auf hochqualitative Informationen legen. Und dieser Wettbewerb ist aufwändig. Einen Sonderfall könnte ich mir bei sehr produkt-spezifischen Informationen vorstellen, aber für welche Produkte sich eine eigene Community lohnt ist schwer zu beantworten.
    Vielleicht sollten wir Deine Frage als Basis für einen neuen Artikel nehmen um das Thema ausführliche zu betrachten.
    Viele Grüße
    Ralf Pfau

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