Drei Dinge, die Pharma von Medtech über digitales Healthcare-Marketing lernen kann

Erinnern Sie sich noch an meinen Artikel, in dem ich aufzeigte, was „Medtech“ von „Pharma“ über Online-Marketing lernen kann? Wie versprochen, will ich nun drei Dinge nennen, die sich die Pharmabranche von der Medizintechnik über digitales Healthcare-Marketing abschauen kann.

1. Messen digital unterstützen

Wie sieht eigentlich Ihr Pharmamessestand aus? Ein je nach Budget aufwändig gestalteter Standbereich, ein paar nette Hostessen, Sitzgelegenheiten und Stehpulte auf denen Broschüren ausliegen?
Sie erinnern sich: Den Kollegen vom Medizintechnik-Marketing hatte ich vorgeschwärmt, wie sehr man am Online-Auftritt von Pharmaunternehmen merkt, dass sich hier ein Top-Forschungsunternehmen präsentiert. Doch auf Ihrem Messestand ist davon kaum etwas zu erkennen!
Anders die Messestände der Medizintechnik-Kollegen. Diese sind vollgepackt mit

  • großen Plasma-Wänden, auf denen man 3D-Animationen der Produkte im Einsatz sieht,
  • interaktiven Displays, auf denen Kunden virtuelle Simulationen der Geräte steuern,
  • Pads auf denen Produktinformationen ansprechend aufbereitet sind …

Lassen Sie mich daran erinnern: Digitales Healthcare Marketing ist mehr als nur Websites und Social Media. Digitales Healthcare Marketing bedeutet auch, Offline-Kanäle sinnvoll mit digitalen Medien zu ergänzen. Und das machen Ihre Kollegen in der Medizintechnik bereits hervorragend.
Also warum zeigen Sie nicht einfach auch bei Ihrem nächsten Messeauftritt, dass Sie Innovationsführer in der Entwicklung pharmazeutischer Produkte sind? Verteilen Sie nicht nur Broschüren an die Ärzte, sondern nutzen Sie digitale Medien um Wirkweisen, Studienergebnisse und Forschungsdetails ansprechend und kurzweilig darzustellen.

2. Schauen, was die anderen machen

Wenn wir unseren Kunden aus der Pharmaindustrie tolle Online-Bespiele anderer Branchen zeigen, kriegen wir oft eine der folgenden Reaktionen:

  • „Das geht bei uns nicht wegen HWG!“
  • „Unsere Zielgruppe tickt doch ganz anders!“
  • „Unser Produkt ist so speziell, da funktioniert sowas nicht!“

Die Kollegen aus der Medizintechnik reagieren ganz anders. Sie sind offen dafür, zu sehen, wie andere Branchen Ihre Produkte online präsentieren. Sie lassen sich von den Beispielen inspirieren und erarbeiten mit uns gemeinsam Ideen, wie ähnliche Ansätze innerhalb der für die Medizintechnik geltenden Regularien umgesetzt werden können. Hieraus sind in der Vergangenheit schon tolle und innovative Projekte entstanden, wie z. B. ein durch die Automobilindustrie inspirierter Produktkonfigurator.
Deshalb: Schauen Sie nicht nur, was der Wettbewerb online macht. Schauen Sie sich auch andere Branchen an und überlegen Sie, wie Sie die spannenden Ansätze für Ihre Produkte und Ihre Zielgruppen adaptieren können – trotz HWG, Kodex und Compliance-Richtlinien.

3. Online als Servicekanal nutzen

Dass Online-Marketing nichts mit Push-Marketing zu tun hat, das wissen Sie. Dass es vielmehr einen Dialog mit Ihrer Zielgruppe – gleich ob Ärzte oder Patienten – bedeutet, haben Sie in unzähligen Seminaren, redaktionellen Beiträgen und Blogartikeln gelernt. Vielleicht haben Sie bereits einen Blog, twittern oder betreiben eine Community. Doch, was machen Sie mit den Dialogen, die entstehen? Wie gehen Sie mit Patienten und Ärzten um, die sich beschweren wollen, die Fragen zum Produkt haben? Nutzen Sie den Online-Kanal nur, um etwas über die Zielgruppe zu lernen, oder auch um Ihre Services anzubieten? Bieten Sie mehr als nur Hinweise auf Hotline-Nummern und Kontaktformulare?
Schauen Sie, was der Kollege aus der Medizintechnik macht: Er präsentiert z. B. der Zielgruppe echte Ansprechpartner im Internet statt Telefonnummern der Zentrale. Er bietet Serviceleistungen online an und verfolgt diese offline weiter. Er hat Online als echten wertstiftenden Kanal in seine Customer Relationship Management-Prozesse integriert.

Und das können Sie in der Pharmabranche auch!

P.S.: Natürlich gibt es sowohl in Pharma als auch Medizintechnik, manch einen Marketer, der meine Hinweise aus diesem und meinem Artikel zur Medizintechnik schon längst erfolgreich umsetzt. Doch leider ist dies noch nicht der Regelfall und ich hoffe, mit meiner verallgemeinernden Darstellung den ein oder anderen wachrütteln zu können.

  1. Von > Roland Papenfuß
    am 06.08.10 um 04:41

    Der Blick über den Zaun ist in der Tat sehr hilfreich. Mein Eindruck ist, dass sich Entwickler oft nicht scheuen, gute Ideen zu übernehmen und daraus eigene Produkte zu machen. Wir Kreativen meinen dagegen häufig, dass wir mit dem Kopieren guter Ideen unsere Leistungsfähigkeit nicht ausreichend unter Beweis stellen. Doch auch wir müssen den Erfolg im Auge behalten. Eine gute Idee kann ja nicht nur 1:1 übernommen werden. Man kann sie noch verfeinern und verbessern. Und ganz ehrlich: Als eine meiner Vermarktungsideen von vielen Mitbewerbern kopiert wurde, habe ich mich gefreut, denn ein besseres Kompliment kann man (fast) nicht erhalten.

Kommentar schreiben