Der Blog für Pharma und Medizintechnik

Manche Pharmaunternehmen schrecken noch immer davor zurück, Foren für Ihre Kundengruppen (z. B. Patienten, Ärzte) anzubieten. Die Gründe für diese Zurückhaltung sind vielfältig, doch wir von Spirit Link Medical denken, dass bei näherer Betrachtung die Risiken überschaubar sind und die Vorteile überwiegen.

Zu den Argumenten, mit denen Pharmaunternehmen ihre Skepsis gegenüber Foren begründen, gehört z. B. dieses:

  • „Da werden dann bestimmt viele Nebenwirkungen beschrieben. Auf unsere Abteilung Arzneimittelsicherheit (Drug Safety) käme eine Menge Arbeit zu.“

Tatsächlich? Falls Sie zu den Skeptikern gehören, schauen wir einmal genauer an, wie viel Arbeit auf Ihr Unternehmen hinsichtlich der Pharmakovigilanz zukommt:

  • Regelmäßiges Monitoring
  • Reagieren auf Nebenwirkungsbeschreibungen, ggf. Meldung an die Gesundheitsbehörde

Monitoring

Als Pharmaunternehmen sind Sie gesetzlich verpflichtet, unerwünschte Ereignisse, die im Zusammenhang mit der Einnahme eines Ihrer Medikamente stehen könnten, an die Gesundheitsbehörde zu melden. Wenn Sie von einem solchen Ereignis erfahren, müssen Sie innerhalb von 14 Tagen an die Behörde berichten.

Für Ihr Forum bedeutet dies: Sie sollten (zumindest werktags) am besten täglich überprüfen, ob in den neuen Posts eines Ihrer Medikamente erwähnt wird und ob im Zusammenhang damit unerwünschte Wirkungen beschrieben werden. Sollten Sie fündig werden, haben Sie dann 14 Tage Zeit (ab Datum des Posts), den jeweiligen „Fall“ weiter zu bearbeiten. Dieses tägliche Monitoring bringt weitere Vorteile mit sich: Sie bekommen auch andere Dinge rechtzeitig mit und können zeitnah reagieren, z. B. auf Rückmeldungen der Benutzer zum Forum selber oder auf Verstöße gegen die Netiquette.

Diesen Monitoringprozess – bzw. das erste „Aussieben“ relevanter Posts – müssen Sie nicht unbedingt selbst machen. Sie können diese Tätigkeit von einem externen Dienstleister, z. B. einer geschulten Agentur, durchführen lassen, die nur „verdächtige“ Posts an Sie bzw. Ihre interne Arzneimittelsicherheit weiterleitet. Hierfür muss Ihre interne Arzneimittelsicherheit zunächst gemeinsam mit den Mitarbeitern des Dienstleisters die Details des Monitoringprozesses und die Kommunikationswege festlegen und die Mitarbeiter entsprechend der gesetzlichen Vorgaben sowie Ihrer internen Konzernrichtlinien schulen. Danach hat Ihre interne Arzneimittelsicherheit keine Arbeit mehr mit dem Monitoring. Die externen Kosten hängen von der Anzahl der zu prüfenden Posts bzw. der Größe des Forums ab.

Reagieren auf Nebenwirkungsbeschreibungen

Wenn Posts mit Nebenwirkungsbeschreibungen gefunden werden, muss Ihre interne Arzneimittelsicherheit Kontakt mit dem Autor des Posts aufnehmen, um weitere Informationen einzuholen. Oft hat man für den Erstkontakt nur die E-Mailadresse des Autors.

Doch wie häufig treten Posts auf, bei denen der Verdacht besteht, dass sie eine unerwünschte Wirkung eines Arzneimittels beschreiben?

Unserer Erfahrung nach relativ selten: Spirit Link Medical hat vor einem Jahr das Monitoring für drei Patienten-Foren und fünf Expertenräte (Patienten können Fragen an Ärzte stellen) übernommen. Insgesamt wurden in einem Jahr 2.086 Posts bzw. Fragen veröffentlicht, darunter waren 43 Fälle, die wir als „verdächtig“ an die interne Arzneimittelsicherheit unseres Auftraggebers gemeldet haben. Dies entspricht einem Anteil von 2,1 %. In diesen 2,1 % sind auch Fälle enthalten, die nicht weiter verfolgt werden konnten, weil die Patienten nicht auf die E-Mail-Anfrage reagierten.

Man muss also nicht mit einer „Flut“ von Nebenwirkungsmeldungen rechnen. Natürlich steigt die absolute Zahl der Meldungen mit der Anzahl der Posts. Aber da Foren in der Regel nicht blitzschnell wachsen, hat Ihre interne Arzneimittelsicherheit ausreichend Zeit, sich auch auf eine größere Zahl zu bearbeitender „Fälle“ vorzubereiten.

Soviel zum Aufwand, der im Zusammenhang mit Nebenwirkungsmeldungen auf Pharmaunternehmen als Forenbetreiber kommen kann. Doch stellen Sie sich vielleicht auch die Frage:

Was bringt Ihnen ein eigenes Forum?

  • Es bringt einen Imagegewinn, weil Sie Ihrer Zielgruppe ein nützliches Angebot bereitstellen – eine Plattform für den Austausch mit anderen Betroffenen, Kollegen etc.
  • Es schafft Vertrauen, weil Sie Ihre Zielgruppe frei reden lassen und keine „One-way-Kommunikation“ betreiben.
  • Es bietet Ihnen die Möglichkeit, in einen unmittelbaren und offenen Dialog mit Ihrer Zielgruppe zu treten.
  • Sie haben das Ohr direkt an Ihrer Zielgruppe.
  • Sie haben regelmäßig neue Inhalte und wiederkehrende Besucher auf Ihrer Website.
  • Es kann Ihnen einen zusätzlichen Suchtreffer bei Google bescheren: Da Foren von Google gesondert indiziert werden, können Sie mithilfe von Suchmaschinenoptimierung sowohl mit dem Forum als auch der Website, die das Forum enthält, gelistet werden.
  • Für Ihre interne Arzneimittelsicherheit kann es von Vorteil sein, frühzeitig über bisher unbekannte Nebenwirkungen zu erfahren.

Fazit

Pharmaunternehmen können das Monitoring von Foren durch externe Anbieter durchführen lassen. Der interne Aufwand für das Melden von Nebenwirkungen an die Gesundheitsbehörde ist überschaubar. Angesichts der Vorteile, die eigene Foren für die Unternehmen bieten, sollte das Thema „Nebenwirkungsmeldungen“ kein Grund sein, das Projekt „eigenes Forum“ infrage zu stellen.

Und falls Sie (noch) kein eigenes Forum anbieten möchten – beginnen Sie mit „Social Listening“! Hören Sie zu, was in anderen Foren, Blogs, Communities über Ihr Unternehmen und Ihre Produkte gesagt wird. Sie werden wichtige Impulse für Ihre Arbeit erhalten (und bekommen vielleicht Lust auf mehr).

Ausblick

Lesen Sie in zukünftigen Blogbeiträgen auch unsere Antworten auf diese Bedenken, die man gelegentlich gegenüber Foren oder einem Engagement in Social Media allgemein zu hören bekommt:

  • „Es gibt schon so viele Foren. Warum sollten die User dann auf unsere Forum-Website kommen?“
  • „Die Diskussionen im Forum sind nicht steuerbar. Wir haben keine Kontrolle über die Inhalte.“
  • „Warum sollten die User uns glauben? Die Pharmaindustrie hat doch so ein schlechtes Image.“
  • „Wir haben nicht genug Manpower, um schnell genug und rechtlich abgesichert auf kritische Beiträge zu reagieren.“
  • „Wie kommen wir da notfalls wieder raus?“

P.S.: Ich danke meiner Kollegin Rebecca Hoffmann für das Einbringen Ihrer Expertise bei der Erstellung dieses Beitrags.