Was passiert wenn Digitalagentur und Pharmaunternehmen gemeinsam eine Firma gründen?

DigitasLBi und AstraZeneca haben in London die „Digital Innovation Group“ (DIG) gegründet. In diesem Joint-Venture arbeiten Digitalexperten von DigitasLBi (einer weltweit agierenden Digitalgentur, die zur Publicis Gruppe gehört) und AstraZeneca (siebtgrößter Pharmakonzern der Welt mit Sitz in London) an digitalen Lösungen für komplexe Problemstellungen aus dem Gesundheitsmarkt. Sie testen so eine interessante neue Art der Zusammenarbeit zwischen einer Digitalagentur und einem Pharmaunternehmen.

Die Digital Innovation Group wird in folgendem Video von DigitasLBi kurz vorgestellt:

 

Interessant ist der Ansatz vor allem weil:

  • Hier anscheinend Mitarbeiter einer Digitalagentur mit Gesundheitsexperten eines Pharmaunternehmens gleichberechtigt arbeiten und sich Chancen und Risiken der Unternehmung teilen.
  • Hier anscheinend an sehr komplexen Problemstellungen gearbeitet wird, weitab von normalen Agenturbriefings. Die im Film gezeigten Aufgaben (z. B. „Verbesserung der medizinischen Versorgung der ländlichen Bevölkerung Chinas“) wirken sehr groß und schwierig – wenn DIG sich wirklich an diese Themen traut, halte ich das für kühn und bewundernswert.
  • Hier Scheitern anscheinend zum Konzept gehört. Der im Film beschriebene mehrstufige Prozess (Reframe, Sprint, Build, Share) sieht mehrere Entscheidungsmeilensteine vor, bei denen es mit einer Idee auch mal nicht weitergehen kann. Auch das wäre tatsächlich ein toller Ansatz, der freies Denken unterstützt.

Warum schreibe ich „anscheinend“? Nun, keine der im Film aufgestellten Behauptungen bzw. meine davon abgeleiteten Mutmaßungen lassen sich momentan überprüfen. Das einzig Handfeste ist die Website zu einem von DIG entwickelten Produkt, das sich aber noch in einer „Closed Beta“ Phase befindet (ich habe mich vor ein paar Tagen für einen Login beworben, aber noch keine Zugangsdaten erhalten). DIG selbst hat keine eigene Website.

Sämtliche Kontaktanfragen bei DigitasLBi in den letzten vier Wochen liefen ins Leere; weder die Kontaktadressen in London noch die der deutschen Niederlassung in München haben auf meine Emails reagiert. Per Google-Recherche konnte ich zwar zwei ehemalige und einen aktuellen DIG-Mitarbeiter finden, aber keiner hat auf meine Fragen reagiert.

Ich hätte z. B. gerne gewusst, ob DIG momentan weiter betrieben wird (dafür spricht, dass auf LinkedIn gerade ein „Digital Business Consultant“ für DIG gesucht wird), wie das ganze Joint-Venture formell aufgesetzt ist (z. B. Rechtsform, Teilung der Chancen und Risiken) und welche Produkte DIG bereits entwickelt hat. (Und ob die bei DIG extra einen Kreidekünstler angestellt haben, der die schicken schwarzen Tafeln mit schönen Bildchen verziert.)

Fazit

Wenn sich noch jemand von DIG melden sollte, werde ich diesen Artikel aktualisieren. Solange können wir alle das oben gezeigte Video genießen und von einer schönen neuen Welt der gleichberechtigten, mutigen und ergebnisoffenen Zusammenarbeit zwischen Agentur und Pharmaunternehmen träumen. Wir finden den gewählten Ansatz jedenfalls toll und wären auch bereit solche Arten der Kooperation auszuprobieren.

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