Patientus – Potentiale der Online-Arztsprechstunde für das Marketing

Wenn im Healthcare-Markt neue Services entstehen, fragen wir uns als Agentur in der Regel: Ist das etwas, was für unsere Kunden einen Mehrwert darstellen kann? So geschehen auch bei Patientus, der Online-Arztsprechstunde. Mit dem Geschäftsführer Nicolas Schulwitz haben wir gemeinsam das Potential dieses Angebots erörtert.

Patientus in Kürze

Patientus bietet Patienten die Möglichkeit online einen Arzt zu kontaktieren und ein Gespräch inklusive Videokonferenz wahrzunehmen. Es kann sich dabei um den Erstkontakt zu einem Arzt handeln, z. B. um dessen Behandlungsspektrum kennen zu lernen oder eine ärztliche Meinung einzuholen, oder um einen Nachsorgetermin bei einem bereits persönlich bekannten Arzt.
Ärzte können Patientus als zusätzlichen Service für die eigenen Bestandspatienten nutzen (eben z. B. für Nachsorgetermine) oder um sich neuen Patienten vorzustellen. Dies ist z. B. für Spezialisten interessant, die Patienten aus einem großen Einzugsgebiet ansprechen.

Abbildung 1: Die Plattform im Einsatz: Im Gespräch mit Nicolas Schulwitz, Gesellschafter-Geschäftsführer Patientus GmbH

Abbildung 1: Die Plattform im Einsatz: Im Gespräch mit Nicolas Schulwitz,
Gesellschafter-Geschäftsführer Patientus GmbH

Ansatzpunkte für das Marketing

Das eigentliche Ziel von Patientus ist, dass der Arzt sich den Service abonniert und Sprechstunden über die Plattform durchführt. Hier gibt es für uns keine Marketing-Ansätze. Die Sprechstunden können nicht etwa gesponsert oder durch Werbung begleitet werden (was sicher auch gut so ist).
Allerdings ist Patientus offen, die eigene technische Plattform, die speziell auf die Bedürfnisse der Gesundheitsbranche (v. a. Datenschutz) und der Ärzte (v. a. einfache Terminvergabe) zugeschnitten ist, Unternehmen zur Verfügung zu stellen. Für eine solche „White-Label-Lösung“ sehe ich zwei Ansatzpunkte:

  1. Service Angebot für erklärungsbedürftige Produkte

    Für Produkte, deren Handhabung erklärungsbedürftig ist, ist es naheliegend, mit dem Produkt selbst auch eine Online-Videosprechstunde anzubieten. So könnte beispielsweise bei einem Asthma-Inhalator, oder bei selbst zu injizierenden Substanzen eine medizinische Fachkraft per Video-Sprechstunde das Gerät erklären, demonstrieren und Fragen zur Handhabung beantworten. Eine Einladung zu einem solchen Termin könnte gut über Apotheken oder den verschreibenden Arzt laufen.

  2. Patientenbetreuungsprogramme

    Im Rahmen von Patientenbetreuungsprogrammen kann Patientus ein guter Kanal sein, um eine deutlich persönlichere Betreuung zu gewährleisten, als dies über das Telefon möglich ist. Gerade wenn es um das Besprechen von Bedenken oder Ängsten seitens der Patienten während einer länger andauernden Therapie geht, bietet die Videosprechstunde einen hohen Mehrwert.

Fazit

Was die Anzahl der Nutzer des für die Öffentlichkeit bestimmten Services angeht, ist es wie bei jedem Startup: Es gilt nun, alsbald eine kritische Masse zu erzeugen.
Aus Marketing-Sicht handelt es sich bei Patientus um eine ausgereifte technische Plattform, die durch Healthcare-Unternehmen genutzt werden kann. Natürlich ist Patientus nicht der einzige Anbieter auf dem Markt. Einen guten Überblick über das aktuelle Angebot vermittelt dieser sehr umfangreiche Artikel des Ärzteblatts.

Update, Sept 2015:
Und nun nimmt mit der TK einer erste Krankenkasse die online Sprechstunde in ihr Angebot auf. Sehr schön. Und herzlichen Glückwunsch Patientus:
Meldung der Techniker Krankenkasse
Update, Jan 2017:
Und hier ist nun von Patientus als Marktführer die Rede, herzlichen Glückwunsch!
jameda übernimmt Patientus

  1. am 28.05.15 um 22:29

    Ich finde diese Idee einfach großartig und sehr futuristisch. Ich kann mir denken, dass sehr viele Menschen einen Arztbesuch scheuen oder einfach nicht in Lage sind einen Spezialisten aufzusuchen. Auf der anderen Seite bringt eine Ferndiagnose auch Tücken mit sich. Der Arzt kann den Patienten nicht abtasten und auch das Persönliche wird verdrängt. So ist es mit Sicherheit für die ältere Generation schwierig ein Vertrauensverhältnis zum behandelten Arzt aufzubauen. Für eine vorab Diagnose ist es trotzdem sehr hilfreich.

  2. am 13.08.15 um 14:29

    Ihr Kommentar (Pflichtfeld)Interessanter Ansatz. Sicherlich gute Ergänzung, um es bei Routineangelegenheiten dem Patienten angenehmer zu machen

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