Der Blog für Pharma und Medizintechnik

Da es viele Menschen inzwischen gewohnt sind, sich im Social Web auszutauschen, liegt es nahe, diesen Kommunikationskanal auch zur Förderung der Adhärenz zu nutzen. Dabei sind verschiedene Szenarien denkbar – einige Beispiele stelle ich Ihnen heute vor:

Aktionen in bestehenden Communities: Beispiel PatientsLikeMe®

Innerhalb der bestehenden Plattform PatientsLikeMe® hat UCB Pharma eine Epilepsie Community gesponsert, um den Patienten den Wissensaustausch zu erleichtern. In einer Umfrage unter den Mitgliedern der Community gaben 55 % der Befragten an, dass sie durch die Informationen und den Austausch ein besseres Verständnis über die Erkrankung bekommen haben. Die Compliance (Adhärenz)  verbesserte sich bei 25 % der Patienten. (Zahlen entnommen aus: http://social.eyeforpharma.com/patients/patients%E2%80%99-week-2011-how-health-20-can-improve-patient-compliance)

Für UCB Pharma hat die Kooperation einen weiteren Vorteil:  Das Unternehmen gelangt an (anonymisierte) Patientendaten  „aus dem wirklichen Leben“. Informationen darüber, welche Epilepsiemedikamente  häufig von Patienten eingenommen werden und welche Erfahrungen die Patienten  mit den Medikamenten machen, können wertvolle Hinweise für die  (Weiter-)Entwicklung eigener Medikamente geben – auch im Sinne einer besseren  Adhärenz.

ptslikeme_epilepsy_community

Die Startseite der Epilepsie Community

 

Communities als Teil von Patientenbetreuungsprogrammen

Auch im Rahmen von Patientenbetreuungsprogrammen sind Communities denkbar. In der Zeitschrift Pharma Relations 4/2011 berichteten deutsche Callcenter-Unternehmen, dass sie zum Teil bereits Communities für solche Programme aufsetzen. Leider gibt es bisher kaum öffentlich zugängliche Informationen zu diesen Projekten.

Adhärenz-Plattform mit Community-Charakter

Mittlerweile gibt es Plattformen, die mehrere Adhärenz-fördernde Prinzipien vereinen. Ein schönes und für jeden zugängliches Beispiel ist das Portal “careverge” der amerikanischen Firma Audax Health Solutions. Hier werden den angemeldeten
Nutzern verschiedene Hilfestellungen gegeben, die persönlichen Gesundheitsziele
(z. B. hinsichtlich Sport oder Ernährung) zu erreichen: Information, Austausch
und Wettbewerb mit anderen Nutzern, die das gleiche Ziel haben, Dokumentation
der Fortschritte, Spiele sowie Belohnungen beim Erreichen bestimmter Ziele. Lesen Sie auch unseren Blogbeitrag über careverge.

Ziele-Auswahl bei careverge

Ziele-Auswahl bei careverge: Für die gewählten Ziele kann man die eigenen Daten mit denen der anderen Gruppen-Mitglieder vergleichen und sich untereinander austauschen.

 

Öffentliche Kampagne mit etwas „social“

Die groß und langfristig angelegte Kampagne „ Script Your Future“ der amerikanischen National Consumers League (NCL) soll Patienten mit Diabetes mellitus, COPD oder kardiovaskulären Erkrankungen informieren und hinsichtlich der Adhärenz unterstützen. Die Website http://scriptyourfuture.org/ bietet hierzu verschiedene Tools an (z. B. PDF-Checklisten, Videos und Reminder) und hat auch einen kleinen „social“ Bereich: Patienten können eigene Bilder hochladen und mit individuellen Versprechen versehen, warum sie ihre Medikamente regelmäßig einnehmen.

Die Startseite von Script Your Future

Die Startseite von Script Your Future. Die individuellen Bildeinreichungen können unter „Pledge“ gemacht werden – ein Screenshot daraus zeigt das Teaserbild zu diesem Artikel. Gruppen-Mitglieder vergleichen und sich untereinander austauschen.

 

Fazit:

Communities oder andere als “social” eingeordnete Angebote werden bereits mit dem Ziel eingesetzt, die Adhärenz zu fördern. Welchen Anteil der soziale Austausch am Erfolg des jeweiligen Projekts hat, lässt sich schwer einschätzen. Aber man kann sich gut vorstellen, dass der Austausch mit anderen Betroffenen, gegenseitiges Ermuntern und auch Wettbewerb die Patienten zu mehr Therapietreue bewegen können.

Zuletzt noch der Hinweis: Schon das bloße Zuhören im Social Web kann Ihnen wertvolle Informationen darüber geben, wie Ihr Produkt von Patienten und Fachkreisen angenommen wird und welche Bedürfnisse beide Gruppen hinsichtlich der Therapie der jeweiligen Erkrankung haben. Daraus können sich durchaus Maßnahmen ableiten lassen, die auch der Förderung der Adhärenz dienen (z. B. mehr oder gezieltere Informationen, Tools, Weiterentwicklung von Medikamenten).