Unsere Tipps gegen Digital Fatigue – Healthcare-Marketing Blog

Unsere Tipps gegen Digital Fatigue

Ich habe am Anfang des Jahres in unserem internen MS Teams nach Tipps gegen Digital Fatigue gefragt, also der generellen Müdigkeit an Online-Veranstaltungen teilzunehmen. Auslöser war die Aussage eines Kunden, dass seine Kunden (Ärzte) immer weniger Lust mehr auf Online-Events haben und er befürchtet, dass das in 2021 ein großes Problem werden könnte. Die darauf entstandene interne Diskussion fand ich so anregend, dass ich sie hier auszugsweise und teilweise paraphrasiert wiedergebe.
Vielen Dank an meine Kollegen für die großartigen Tipps. Ich hoffe für Sie, unsere Kunden, sind auch wertvolle Denkanstöße dabei.

Heiko Kröger

Heiko (10:16):  Ich habe einen Kunden, der mir gerade sagte, dass viele seiner Kunden keine große Lust mehr auf Online-Webinare und-Symposien haben, weil das inzwischen jeder Hersteller so macht und die Ärzte schlicht keine Zeit & Motivation mehr haben. Ich denke, dass das ein allgemeines Problem ist bzw. spätestens in 2021 eines werden wird. Haben wir dazu Tipps, wie das vermieden werden kann? Lasst uns doch mal hier sammeln…

Anika (11:05): Um der Frage nachzugehen, was man dagegen tun kann, müsste vorab wahrscheinlich zunächst mal geklärt werden, woher dieses Desinteresse kommt. Ich denke, hinter der „Null Bock“-Stimmung steckt eine Art allumfassende Resignation, da die Hoffnung auf einen Neuanfang („Back to normal“) zum Jahresbeginn 2021 unerfüllt blieb.

Deshalb denke ich: Nur wenn wir dieser Grundstimmung authentisch und emotional entgegenwirken, haben wir eine Chance die Menschen – unsere Kunden und deren Kunden – zu erreichen. So lange sich vom übergeordneten Außen nichts an der allgemeinen Situation ändert, lassen sich die Menschen wohl nur für Online-Events interessieren und zur Teilnahme motivieren, wenn es sich – ganz banal – für sie „persönlich und für den Jetzt-Moment“ lohnt und sie sich jetzt unmittelbar angesprochen fühlen. Alles was in Richtung „Zukunftsdenke“ geht, führt wohl eher zur Zurückhaltung und/oder Ablehnung.

Bastian (11:35): Ich habe dazu zwei Gedanken:

1. Die Interaktivität digitaler Formate erhöhen. Manches, was ich im letzten Jahr gesehen habe, war doch relativ statisch. Wenn ich „nur“ passiv vor dem Monitor sitze und mich berieseln lasse, verliere ich schneller die Konzentration und werde müde – im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.

2. Print zur Unterstützung nutzen. Einer virtuellen Veranstaltung, die im alltäglichen Rahmen konsumiert wird, mangelt es möglicherweise an Gefühl – an etwas Besonderem, dass das tägliche Erleben durchbricht. Ein hochwertiges Druckerzeugnis kann als haptisches (Zusatz-)Erlebnis das digitale Event aufwerten und aufladen.

Karin (11:45): Anika, ich teile ganz viel von Deinem Eindruck! Allerdings erlebe ich die HCPs in meinem Umfeld etwas anders. Für die medizinischen Fachgruppen ist der Alltag mit am wenigsten verändert (auch wenn sicherlich manche überlastet sind): Sehr viele gehen nach wie vor in die Praxis oder Klinik und arbeiten fast genauso und mit genauso viel Kontakt wie zuvor. Ich will jetzt nicht die Belastungen schmälern, mir geht es um die Veränderung der Alltagsbedingungen und die daraus resultierende Stimmung. Das ändert nicht den digitalen Überdruss, aber vielleicht kommt er aus konkreteren Quellen als genereller Apathie/Verstimmung?

Jörg (11:48):

  • Es werden aus meiner Sicht viel zu wenig Pausen gemacht und Agenden wie gewohnt, vollgestopft. Die waren bei Präsenzveranstaltungen schon kurz vor dem Bersten, aber man ändert für digitale Formate hier sein Denken nicht bzw. zu träge.
  • Online-Veranstaltungen entlasten – sprich: was kann aus der Veranstaltung selbst raus- oder vorgezogen werden und kann man sich als Teilnehmer zeitlich unabhängig vorher ansehen. Das erhöht dann auch die Möglichkeit auf mehr Interaktion.

Es gibt jetzt doppelte Vorbereitungszeit:

  • früher: man hat die Inhalte für seinen Präsenztermin vorbereitet, den Rest (Moderation/Ablauf/Methodik) hat man eher aus der Hüfte heraus und spontan im Termin gemacht, nach dem Motto „Ich weiß ja aus der Vergangenheit, wie die Diskussion/Fragerunde am Ende von meinem Vortrag auf dem Symposium immer lief“
  • jetzt: man hat zwei Tasks, die beide gleich wichtig sind. Inhalte vorbereiten und mindestens genauso viel Zeit in die Didaktik des Termins stecken.

Wenn Didaktik in der Vorbereitung mehr Fokus bekommt wird der Teilnehmer hoffentlich auch weniger müde.

Sebastian (11:48): Ich habe bei einem Kunden im letzten Jahr in ein paar Symposien von und für Ärzte hineingeklickt. Das war in der Regel ein durchgetaktetes Hetzen: 5 Minuten Einleitung, 15 Minuten Thema A, 25 Minuten Zeit für Fragen, 15 Minuten Thema B, 2 Minuten Schlussworte, Ende. Nahtlose Übergabe und kein Raum für “Menschlichkeit“ und soziales Miteinander. Vielleicht liegt es auch daran…? Es ist sicher schwierig, das in Broadcast-Formaten unterzubekommen, in denen die Masse nicht aktiv teilnehmen darf und soll oder nur per Chat – aber vielleicht kann eine 15-Minuten-Kaffeerunde auch etwas bewirken?

Oder man muss sich einfach eingestehen, dass viele bei den Vor-Ort-Veranstaltungen waren, weil es Häppchen und ein Raus-aus-dem-Alltag bedeutet hat?

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Anika (12:00): Hey cool … da sind ja jetzt schon einige Schlagworte dabei:

  • emotionaler
  • weniger durchgetaktet, offener, mehr gefühlte Leichtigkeit
  • multisensorischer (Bspw. durch Print-Ergänzung)

Michaela (12:22): Ich glaube wir haben da schon viele Ansätze angedacht, z. B. für den Pitch im Herbst. Das Problem sehe ich bei der Umsetzung – da hat leider oft Legal/Compliance den Finger drauf. Bei der Kongresswebsite neulich ist es am Ende eine „normale“ Website geworden, trotz zahlreicher Ideen zu Interaktion, wie virtuelle Kaffeebar und Schwarzes Brett… Möglichkeiten solche Veranstaltungen attraktiver zu gestalten gibt es unendlich – in der Umsetzung scheitert das leider ganz oft in der Freigabe.

Patrick (13:02): Ich hab die „Digital Fatigue“ jetzt auch schon von verschiedenen Seiten mitbekommen und ich glaube auch, ein großes Problem ist die Sterilität solcher Meetings und die fehlende Individualität… Ich hab das mal versucht in meinem Freundeskreis für ein Silvester-Pubquiz zu überkommen und mit dem Tool, was auch für unsere Weihnachtsfeier benutzt wurde zu arbeiten (https://workadventu.re/)

Auf so eine Art kann man die Sterilität solcher Veranstaltungen super umgehen, nach freier Entscheidung zu großen/ kleinen Konferenzen gehen, eigene Pausen machen… . Man muss, glaube ich, sehr auf solche individuelle, weniger sterile Formate bauen, um mehr „Eigeninitiative“ in digitaler Umgebung zu haben… das war so das Feedback.

Susanne (18:19): Von unserem Pharma-Kunden wurde an uns die gleiche Einschätzung herangetragen – mit dem Wunsch, in 2021 nicht nur „Standard-Webinare“ anzubieten. Wir hatten dazu intern gebrainstormt und die Gedanken gingen in die Richtungen:

  • Format der Veranstaltung (virtuelles Barcamp, Escape Room, Autokino)
  • Inhalt der Veranstaltung (Interaktionen etc.)
  • Besondere Einladungen, Material vorab

Gunther (08:29): ich finde das sogar vergleichbar mit einem Corporate Meeting Fatigue. Das trat immer ein, wenn Leute von Meeting zu Meeting liefen, keine Ahnung hatten wozu, nix zu sagen hatten, es kein Ziel gab usw.

Cornelia (08:31): … und da haben wir ja erfolgreich versucht, mit Drehbüchern gegenzusteuern und den Sinn des Meetings im Fokus zu behalten (vgl. Priya Parker, The art of gathering).

Wenn Sie Lust haben, mit uns über dieses Thema weiter zu diskutieren oder auch eine Frage an unser Team haben, kontaktieren Sie mich gerne.

Heiko Pröger ist seit 2004 bei Spirit Link und seit 2019 einer der Geschäftsführer. Er berät Kunden aus der Medizintechnik- und Pharmabranche in Fragen der MarCom-Strategie. Sein liebstes Betätigungsfeld: sich neue Vorgehensweisen und Methoden ausdenken, um in Projekten möglichst effizient zu effektiver Marketingkommunikation zu kommen.